Home Haustechnik Smarte Wohntechnik: Ein Ausblick auf Häuser aus dem 3D-Drucker

Smarte Wohntechnik: Ein Ausblick auf Häuser aus dem 3D-Drucker

von Marc Hettenberger

3.580 Millionen Euro – so groß ist voraussichtlich der Umsatz im Bereich Smart Home allein im Jahr 2019. Der Markt für die sogenannten Internet of Things (IoT) wächst rasant und erreichte in den letzten Jahren ein breiteres Publikum. Die Reise endet jedoch nicht bei smarten Lautsprechern und intelligenten Kaffeemaschinen – sondern wird zukünftig ganze Häuser beeinflussen, die modern, smart und nachhaltig gestaltet sind.

Smart Home und smartes Wohnen wurden in den letzten Jahren zu Schlagwörtern, die so häufig genannt wurden, dass sie fast jeder schon einmal gehört hat. Dabei kommt es meistens gar nicht so stark darauf an, komplett zu verstehen, was die smarte Intelligenz eigentlich bedeutet. Vielmehr ist die Marketing-Strategie großer Unternehmen aufgegangen: Smart Home ist eine utopische Idee und fast schon eine Philosophie für moderne Hausbauer oder Wohnungsbesitzer. Statt sich selbst zu bemühen und eigene körperliche Kraft in den Haushalt zu stecken, arbeiten die Umgebung und die Gegenstände im Haus für den Besitzer. Und dieser hat endlich mehr Zeit, um sich auf die wichtigen Dinge in seinem Leben zu konzentrieren – fernab von unliebsamen Arbeiten.

Mit dem 5G-Standard können mehr Daten in höherer Geschwindigkeit verarbeitet werden – auch im vernetzten Zuhause (Bild: pixabay.com © mohamed_hassan (CC0 Creative Commons))

Ein intelligenter Traum, älter als das Smartphone

Wie stark die Idee des smarten Zuhauses in den Köpfen verankert wurde, zeigt eine Erhebung des Statistik-Dienstes “Statista. Allein in Deutschland wird der Umsatz im Bereich Smart Home die Marke von 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2019 überschreiten. Interessanterweise ist die Idee und die Begrifflichkeit des Smart Homes bereits wesentlich älter als beispielsweise Smartphones. Um die Jahrtausendwende arbeiteten die großen Technologie-Unternehmen wie die Telekom oder das Fraunhofer-Institut an der Vernetzung verschiedener Elemente im Wohnraum. Die Vision mündete in Schnittstellen, die von Geräten angesprochen werden konnten und sich beispielsweise im T-Com-Haus in Berlin bestaunen ließen.

Etwa 15 Jahre später waren Technik und Vision endlich auf einer Ebene und der Massenmarkt wurde erreicht. In Deutschland im besonderen Maße durch smarte Haushaltsgeräte, die mit 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2019 den größten Smart-Home-Treiber darstellen.

Smarte Anwendungen für vielfältige Bereiche

Eine Aufzählung smarter Haushaltsgeräte ist heute kaum noch möglich. Jedes Gerät im Haushalt kann an das Internet der Dinge (IoT) angeschlossen werden oder ist bereits nativ damit verbunden. Das beginnt bei der Kaffeemaschine, die dank Vernetzung pünktlich das morgendliche Heißgetränk zubereitet. Fast alle großen Hersteller werben mit innovativer Smart-Home-Technologie – und wenn eine Kaffeemaschine doch noch nicht über den modernen Standard verfügen sollte, genügt der Griff zur WLAN-Steckdose, die jedes noch so alte Gerät ans Internet anschließt. Smart Home bedeutet jedoch nicht nur, jederzeit pünktlich seinen Kaffee zu erhalten, in dem die Maschine mit Strom versorgt wird. Das smarte Zuhause denkt mit und hilft, Planungen zu erstellen.

  • Moderne Kühlschränke können erfassen, was in der Kühleinheit platziert wurde; einige Modelle sind sogar mit Webcams ausgestattet, die beim Einkauf den Blick in den heimischen Kühlschrank ermöglichen
  • Backöfen versorgen den Besitzer mit neuen Rezepten und holen sich die passenden Einstellungen für das Abendmahl direkt aus dem Internet
  • Und selbst Geschirrspüler zählen im Smart Home mit, wie viele Tabs seit dem letzten Einkauf bereits verwendet wurden und melden sich via Push Mitteilung, dass ein Nachkauf notwendig wird.

Kurzum: Die Fähigkeiten moderner Geräte übersteigen in vielen Fällen bereits die Vorstellungskraft, die Endnutzer vor dem Kauf an den Tag legen.

Umsatztreiber im Bereich Smart Home in Deutschland im Jahr 2019:

  • Smarte Haushaltsgeräte wie Kaffeemaschine und Kühlschrank (1.100 Millionen €): Sie lassen sich durch eingebaute Timer zeitgenau steuern oder zeigen an, wann Lebensmittel nachgekauft werden müssen und Haltbarkeitsdaten ablaufen.
  • Vernetzung und Steuerung wie Smarthubs und Steuereinheiten (725 Millionen €): Über zentrale Steuerelemente können die verschiedensten smarten Geräte von einem Punkt aus geregelt werden.
  • Gebäudesicherheit wie Alarmanlagen und Überwachungskameras (539 Millionen €): Durch die Vernetzung hat man auch von der Ferne aus Zugriff und kann sich ein Bild von der Situation vor Ort verschaffen. Ein Alarm kann auf das Smartphone weitergeleitet werden.
  • Einen ebenfalls großen Part nimmt das Energy Management ein (539 Millionen €): Dies bezeichnet die intelligente Steuerung von Verbrauchern im Haushalt. So können Stromverbraucher durch smarte Steckdosen und einen angeschlossenen Hub bei Bedarf automatisch an- und abgeschaltet werden. Auch bei Heizsystemen bietet das Energy Management enorme Kostenvorteile. Smarte Thermostate regeln die Temperatur nach Bedarf und heizen nicht, wenn kein Mensch zuhause ist. Einige Modelle sind sogar mit Internetdiensten verbunden, die das Wetter prognostizieren und können sich dementsprechend kalibrieren.
  • Home Entertainment wie smarte Lautsprecher oder Multimedia (394 Millionen €): Dieser Bereich ist bei den Verbrauchern bislang am Verbreitetsten. Die drahtlose Vernetzung von Musikanlagen und Lautsprechern ist in vielen Haushalten bereits Standard.
  • Komfort und Licht wie sprachgesteuerte Lampen (273 Millionen €): Von einfach gesteuerten Leuchten mit Hilfe von Bewegungsmeldern bis hin zum komplett vernetzten Beleuchtungssystem mit einprogrammierten Szenarien ist hier alles möglich.

Auch ohne Smartphone startet im Smart Home der Mähroboter zur regelmäßigen Rasenpflege. (Bild: pixabay.com © distel2610 (CC0 Creative Commons))

Ein Blick auf die Anwender

Besonders interessant ist nicht nur ein Blick auf die größten Umsatztreiber im Bereich Smart Home, sondern auch ein Blick auf die Konsumenten. Die Statistiken sprechen eine klare Sprache, wer sich für intelligente Haussteuerung interessiert und was die Käufer mitbringen müssen. Grundsätzlich ist auffällig, dass Smart Homes wie auch Smartphones eher eine Passion jüngerer Generationen sind:

  • Nur 26 % aller Smart-Home-Nutzer sind älter als 45 Jahre.
  • Nur knapp zehn Prozent älter als 55 Jahre.
  • Mit knapp 35 % entfällt der größte Teil der Smart-Home-Nutzer auf die Altersgruppe im Bereich 25-34 Jahre.

Die Zahlen beschreiben eine bestimmte Generation, die mit dem rasanten Wandel in der Technologie aufgewachsen ist, als Digital Natives bezeichnet werden kann und sich Neuerungen besonders aufgeschlossen gegenüber zeigt. Ein weiteres Kriterium ist das Einkommen. Nicht allein die enormen Umsatz-Zahlen zeigen, dass Smart Homes kein günstiges Hobby sind. Wer in Küchengeräte mit Internetanschluss, Spiegel mit Informationsfeldern oder autonome Rasenroboter investiert, muss über ein mittleres bis hohes Einkommen verfügen. Nur 18,4 % der Personen mit einem geringen Einkommen investieren ebenfalls in die moderne Technik.

Das grenzt die Kaufgruppe weiter ein: Es handelt sich um junge, gutverdienende Männer! Denn während nur 37,3 % der Frauen Interesse an Smart Homes zeigen, sind Männer mit 62,7 % für fast zwei Drittel des Umsatzes verantwortlich, wie die Auswertung der Statista-Umfrage zeigt. Und obwohl allein in Deutschland der Umsatz enorm zu sein scheint, liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich zwar unter den ersten Fünf jedoch noch lange nicht an der Spitze. Diese haben, wie nicht anders zu erwarten, die Vereinigten Staaten von Amerika inne, die allein 2019 knapp 25 Milliarden Euro Umsatz im Bereich Smart Home erwirtschaften werden.

Dahinter folgt mit massiven Abstand China, das etwa 10 Milliarden Euro investieren wird. Knapp vor Deutschland positioniert sich die Technikmacht Japan, die sowohl als Innovator als auch als Produzent rund 3,7 Milliarden Euro im Jahr 2019 im Bereich des intelligenten Wohnens umsetzen wird. Ein ähnliches Niveau weißt das Vereinigte Königreich auf, das mit 3,4 Milliarden gerade noch in die Top 5 beim weltweiten Umsatz rutscht. Das klingt alles sehr abstrakt, wird mit einem Vergleich jedoch etwas klarer: Im Jahr 2017 erwirtschaftete die Textilindustrie in Deutschland einen Umsatz von 12,39 Milliarden Euro.

Und während die Umsätze im Bereich der Mode seit Jahren stagnieren, wird die smarte Technologie bereits in wenigen Jahren an die Umsätze heranreichen.

Die Zukunft des modernen Wohnens zeigt sich in der Schweiz

Smart Homes waren immer Innovationstreiber und zeigten, wohin der ökologische Weg gehen soll: Hin zu weniger Verbrauch und intelligenten Steuereinheiten, die genau diesen Verbrauch kontrollieren und optimieren. Das wohl aktuell progressivste Haus ist 200 Quadratmeter groß und befindet sich in der Schweiz. In einer Kollaboration zwischen führenden universitären Köpfen und der Industrie entstand das DFAB House, ein Wohnkonzept, das in der Herstellung und Bedienung völlig neue Wege geht. Gebaut von riesigen 3D-Druckern, die Zement gramm-genau anrührten und Werkstücke in höchster Präzision fertigten, wurde der Traum vom ökologischen Haus zur Realität, die jeder bestaunen kann.

Die transluzente Leichtbaufassade ist dabei so konzipiert, dass Licht durchgelassen wird, Kälte jedoch draußen bleibt. Gleichzeitig ist das Haus nachhaltig konzipiert, was in diesem Fall bedeutet, dass es bei Nichtgefallen leicht auseinandergebaut werden und jedes Einzelteil in einem anderen Haus erneut Verwendung finden kann.

Und welche Rolle spielt das Smart Home im innovativsten Haus der Welt? Die fast allergrößte. Die Begleiterscheinungen: Das gesamte Haus ist so stark vernetzt und optimiert, dass Film- und Radioteams Störgeräusche auf ihren Aufnahmen fanden, die durch die enorme Funkfrequenz innerhalb des DFAB House zustande kamen. Smarte Jalousien, Roboter zur Unterstützung im Haushalt und mitdenkende Wände zeigen, wohin die Reise für den Massenmarkt gehen soll – auch wenn wie vor 15 Jahren bei der Telekom schon wieder alles nach Fiktion klingt.

Bildquelle Titelbild:

  • Alexander Kirch/shutterstock.com

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