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Solaranlage 2021: Ja oder nein?

von Marc Hettenberger

Eine Solaranlage auf dem Dach: selber Strom produzieren, Energiekosten sparen und den Strom vielleicht sogar gewinnbringend ins öffentliche Stromnetz einspeisen? Das hört sich zunächst sehr gut an. Doch bevor es ans Sparen und Gewinne erzielen geht, bedeutet eine Solaranlage zunächst einmal hohe Anschaffungskosten. Und die staatliche Förderung für Solaranlagen geht immer weiter zurück. Da stellt sich die Frage, ob sich die Anschaffung einer Solaranlage 2021 überhaupt noch lohnt.

Welche Vorteile bringt eine Solaranlage?

Ganz klar, eine Solaranlage bringt auch in Zukunft noch zahlreiche Vorteile. Doch wie bei allen großen Anschaffungen gilt es zuvor gründlich und individuell abzuwägen. Folgende Punkte können dabei helfen:

  • Anschaffungskosten sinken: Photovoltaikanlagen sind deutlich günstiger geworden als in den ersten Jahren. Dennoch ist für die Anschaffung und für die Installation mit einer hohen vierstelligen Summe zu rechnen. Wenn man eine Speicherbatterie nutzt, ist der Preis umso höher. So kann es bis zu 15 Jahre dauern, bis die Anschaffungskosten sich amortisiert haben.
  • Einsparung und Vergütung: Auch, wenn die Einspeisevergütung immer weniger einbringt, so erhalten Nutzer bei der privaten Stromerzeugung doch noch immer finanzielle Vorteile auf zweierlei Weise: Zum einen fällt die eigene Stromrechnung umso geringer aus, je mehr man an Eigenverbrauch durch die Solaranlage auf dem Hausdach abdeckt. Zum anderen wird auch im Jahr 2021 noch eine Vergütung für Solarstrom gezahlt, den Eigentümer einer Solaranlage ins Stromnetz einspeisen. Aktuell (Stand: Januar2021) liegt die Einspeisevergütung bei Werten zwischen 6,01 und 8,56 Cent pro kWh.
  • Nachhaltigkeit: Natürlich spielen bei der Anschaffung einer Solaranlage nicht nur wirtschaftliche Erwägungen eine Rolle. Auch ökologische Gründe sind den meisten Menschen hier wichtig. Wer in eine Solaranlage investiert, investiert zugleich in eine grünere Zukunft und trägt seinen Teil dazu bei, die Energiewende voranzubringen.

Hinweis: Immer einmal wieder hört man davon, dass der ökologische Nutzen von Solaranlagen angezweifelt wird. Was stimmt ist, dass sie Herstellung von Solarmodulen ausgesprochen energieintensiv ist. Aber durch die inzwischen herrschende Massenfertigung der Module ist die Energy Payback Time deutlich reduziert. Die Energy Payback Time (EPBT) ist die erforderliche Zeitspanne, in der die Photovoltaikanlage die gleiche Menge an Strom (umgerechnet in äquivalente Primärenergie) mit der über ihren Lebenszyklus verbrauchten Energie erzeugen kann.

  • Entlastung des Stromnetzes: Wird der Strom zu großen Teilen dort verbraucht, wo er produziert wird, ist eine weitreichende Weiterleitung der Energie immer weniger notwendig. Anders ausgedrückt: durch die Solaranlage auf dem Dach wird das Stromnetz entlastet. Und es werden weniger Hochspannungsleitungen gebraucht.
  • Unabhängigkeit von Stromanbietern: Wer eine eigene Solaranlage hat, ist deutlich unabhängiger von Stromanbietern. Und die Preiserhöhungen der großen Stromerzeuger fallen weniger ins Gewicht.

Übrigens: Was Instandhaltung und Wartung betrifft, ist eine Photovoltaikanlage relativ pflegeleicht. Das liegt daran, dass sie wenig bewegliche Teile hat. Allerdings sollte man darauf achten, den Wechselrichter rechtzeitig zu erneuern. Dieser hält nur etwa zehn bis 15 Jahre, wohingegen die Lebensdauer der Photovoltaikanlage im Ganzen bis zu 30 Jahre beträgt.

Kosten vs. Einnahmen

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert eine Vergütung über 20 Jahre für Solarstrom, den man per Photovoltaik-Anlage produziert und in das öffentliche Stromnetz einspeist. Dabei ist die Höhe der Vergütung von dem Zeitpunkt abhängig, zu dem die Anlage in Betrieb genommen wurde. Auch Standort und Nennleistung spielen eine Rolle für die Vergütung. 2021 ist die EEG-Vergütung nur noch bei gut 8 Cent pro kWh für kleinere Anlagen bis 40 kWp. Das sind rund 4 Cent weniger als noch drei Jahre zuvor. Und es ist davon auszugehen, dass die Vergütung weiter sinken wird.

Das bedeutet: Eine Photovoltaik-Anlage lohnt sich besonders für die Eigennutzung des Stroms. Man verdient aktuell mit seiner Anlage weniger, spart aber mehr.

Wann lohnt sich eine solche Anlage?

Da die Einspeisevergütung immer weiter sinkt, lohnt sich eine Photovoltaikanlage, wenn sie gänzlich zur Einspeisung genutzt werden soll vor allem, wenn man eine sehr große Dachfläche zur Verfügung hat und beispielsweise ein Nebengebäude wie eine Scheune für eine Solaranlage zur Verfügung steht. Zudem ist eine Anlage für die Volleinspeisung in südlicheren Gefilden mit mehr Sonneneinstrahlung natürlich rentabler als in Gebieten mit weniger Sonnenstunden. Auch sollte das Preis-Leistungsverhältnis der Anlage stimmen, damit sich die Anschaffung möglichst bald rentiert und man möglichst lange etwas von ihr hat.

Für alle, die auf einem Ein- oder Mehrfamilienhaus eine Anlage anbringen wollen, ist diese inzwischen vor allem in Hinblick auf eine möglichst große Eigennutzung lohnenswert. Aktuell kostet eine Kilowattstunde Strom um die 30 Cent bei einem der großen Stromerzeuger. Eine Solaranlage erzeugt umgerechnet den Strom für weniger als die Hälfte dieses Preises. Dies bietet ein enormes Sparpotential für Verbraucher. Zudem fördert der Staat den Kauf eines Stromspeichers für die Solaranlage, indem der Kauf eines Speichers durch die KfW bezuschusst wird und darüber hinaus der Eigenverbrauch von Solarstrom der durch Kleinanlagen bis 10 kWp generiert wird, abgabenfrei ist.

Übrigens: Nicht nur im Eigenheim ist die Nutzung einer Solarstromanlage möglich. Wer ein Haus gemietet hat kann unter Umständen vom Vermieter das Dach für eine Photovoltaikanlage pachten. Zudem gibt es sogar Kleinst-Solaranlagen (Plug-in-Anlagen, Balkonmodule), die man auf dem Balkon anbringen kann.

Die Einspeisevergütung für Solarstrom wird zunehmend geringer und damit uninteressanter. Der Hauptvorteil liegt in der Eigennutzung der erzeugten Energie | Bildquelle: lovelyday12/shutterstock.com

Fazit: Solaranlage lohnt sich auch 2021 noch

In Zukunft wird der Eigenverbrauch von Solarstrom immer lukrativer als der Verkauf von durch Photovoltaikanlagen produzierter Energie. Während man mit dem Verkauf des Stroms immer weniger Geld erwirtschaften kann, lässt sich durch einen möglichst hohen Eigenverbrauch sehr viel sparen. Wer dir Sache richtig angeht, kann die Anschaffung einer Photovoltaikanlage inklusive eines ausreichenden Speichers nach wie vor zu einer sehr guten und lohnenden Investition machen.

Bildquelle Titelbild:

  • Slavun/shutterstock.com

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