Home Garten & Außenanlagen Fünf Schritte für einen Neubaugarten ohne Engerlinge und Rüssler

Fünf Schritte für einen Neubaugarten ohne Engerlinge und Rüssler

von Marc Hettenberger

Nach dem Einzug sieht das Grundstück rund ums neue Haus oft wenig einladend aus: verdichteter Boden, Bauschutt, vielleicht ein Haufen Mutterboden. Das hat einen Vorteil. Sie können die Schädlingsabwehr gleich bei der Anlage mitplanen, statt später hektisch zu reagieren. Die folgenden fünf Schritte führen Sie von der kahlen Baustellenfläche bis zur ersten Bepflanzung.

Schritt 1: Den Boden nach der Bauphase gründlich prüfen

Bagger, Gerüste und Materiallager hinterlassen fast immer einen stark verdichteten Untergrund. Staunässe und schlecht durchwurzelte Erde schwächen später Rasen und Pflanzen, und geschwächte Pflanzen sind anfälliger für Schädlinge.

Bevor Sie etwas säen oder pflanzen, sollten Sie:

  • Bauschutt, Folienreste und Steine gründlich entfernen
  • den Boden tief lockern, bei großen Flächen notfalls mit einer Fräse oder einem Tiefenlockerer
  • eine Bodenprobe nehmen oder zumindest Struktur und Wasserabzug testen
  • angelieferten Mutterboden vor dem Verteilen auf Larven durchsehen

Gerade zugekaufter Oberboden stammt oft von ehemaligen Wiesen- oder Ackerflächen. Wenn Sie beim Umgraben auffällig viele c-förmig gekrümmte, weißliche Larven finden, sind das wahrscheinlich Engerlinge. Graubraune, walzenförmige Larven ohne Beine deuten auf Wiesenschnaken hin. Notieren Sie sich solche Funde, denn sie bestimmen den richtigen Zeitpunkt für Schritt 4.

Schritt 2: Rasen und Beete strategisch anlegen

Ein frisch angelegter Rasen ist für Engerlinge und Schnakenlarven ein gefundenes Fressen: Die jungen Graswurzeln sind zart und die Fläche ist groß. Planen Sie deshalb gleich mit, wie Sie die Rasenfläche gesund halten.

Rasen

Ob Rollrasen oder Aussaat: Entscheidend ist eine gute Bodenvorbereitung mit ausreichend Humus und gleichmäßiger Bewässerung in den ersten Wochen. Dicht wachsender Rasen verkraftet einen leichten Befall deutlich besser als eine lückige Fläche.

Beete

Legen Sie Beete nicht nur nach Optik an, sondern nach Standort. Pflanzen, die zu Sonne, Boden und Feuchtigkeit passen, wachsen kräftiger und bieten Schädlingen weniger Angriffsfläche. Eine Mulchschicht hält die Feuchtigkeit im Boden. Später erleichtert sie auch den Einsatz von Nematoden, die feuchte Erde brauchen.

Schritt 3: Neue Pflanzen vor dem Einsetzen kontrollieren

Viele Schädlinge kommen nicht von allein in den Garten, sie werden mitgekauft. Ein Klassiker ist der Dickmaulrüssler. Seine Larven leben im Wurzelballen von Containerpflanzen und fressen dort an den Wurzeln, während der Käfer selbst nachts typische Buchtenfraßspuren an den Blatträndern hinterlässt. Besonders häufig betroffen sind Kirschlorbeer, Rhododendron, Eibe und andere immergrüne Heckenpflanzen, also genau das, was beim Neubau oft in großer Stückzahl gepflanzt wird.

Tipp: Topfen Sie vor dem Pflanzen stichprobenartig einige Pflanzen aus. Cremefarbene, gekrümmte Larven mit brauner Kopfkapsel im Wurzelballen sind ein Warnsignal. Reklamieren Sie betroffene Ware lieber direkt, als sie in die neue Hecke zu setzen.

Schritt 4: Nematoden zum richtigen Zeitpunkt einsetzen

Hat sich ein Befall bestätigt, sind Nematoden die natürliche Antwort im Boden. Diese mikroskopisch kleinen Fadenwürmer suchen gezielt nach Larven, dringen in sie ein und töten sie ab. Für Menschen, Haustiere, Regenwürmer und Pflanzen sind sie unbedenklich. Je nach Schädling kommen unterschiedliche Arten zum Einsatz. Einen Überblick, welche Nützlinge gegen welche Larven helfen, finden Sie bei spezialisierten Anbietern, die die Tiere gezielt nach Schädling sortieren.

Wichtiger als die Wahl des Produkts ist allerdings das Timing:

  • Engerlinge: im Frühjahr (etwa April/Mai) oder im Spätsommer (August/September), wenn die Larven aktiv nahe der Oberfläche fressen
  • Wiesenschnakenlarven: vor allem im Spätsommer und Herbst, ergänzend im Frühjahr
  • Dickmaulrüssler: im Frühjahr und im Spätsommer, wenn die Larven im Wurzelbereich sitzen

In allen Fällen gilt: Die Bodentemperatur sollte bei mindestens 12 °C liegen, sonst bleiben die Nematoden weitgehend inaktiv. Messen Sie lieber mit einem einfachen Bodenthermometer in einigen Zentimetern Tiefe nach, als sich auf die Lufttemperatur zu verlassen.

So gelingt die Ausbringung

  1. Boden vorher gut wässern.
  2. Nematoden nach Packungsanleitung in Wasser auflösen und mit der Gießkanne oder einem geeigneten Sprühgerät verteilen.
  3. Möglichst abends oder bei bedecktem Himmel arbeiten, denn UV-Licht schadet den Tieren.
  4. Danach erneut wässern und die Fläche einige Wochen lang feucht halten.

Ein hundertprozentiger Erfolg lässt sich bei biologischen Mitteln nie versprechen. Bei starkem Befall kann eine zweite Anwendung in der nächsten passenden Saison nötig sein.

Schritt 5: Nützlingen dauerhaft ein Zuhause bieten

Ein neuer Garten ist anfangs ökologisch fast leer. Vögel, Igel, Laufkäfer und Schlupfwespen, die viele Schädlinge auf natürliche Weise in Schach halten, müssen sich erst ansiedeln. Das können Sie gezielt fördern:

  • heimische Sträucher und Wildblumenstreifen statt reiner Schotterflächen
  • eine Laub- oder Totholzecke als Unterschlupf für Igel und Käfer
  • Nistkästen für Meisen und Stare, die eifrig Larven und Raupen fressen
  • Verzicht auf chemische Insektizide, die auch nützliche Arten treffen

Wer Schädlinge bekämpfen will, ohne das junge Gartenökosystem gleich wieder zu stören, sollte vorab nachlesen, wie man Schädlinge bekämpfen kann, ohne auf Gift zurückzugreifen. Dort sind typische Plagegeister mit passenden biologischen Gegenspielern aufgelistet.

Ein gesunder Garten wächst mit seinem Haus

Der Neubau ist die beste Gelegenheit, einen Garten von Grund auf richtig anzulegen. Wer den Boden sorgfältig vorbereitet, Pflanzen vor dem Einsetzen kontrolliert und bei Bedarf Nematoden zur passenden Jahreszeit und Bodentemperatur einsetzt, erspart sich viel Ärger mit braunen Rasenflecken und kümmernden Hecken. Mit jedem Jahr siedeln sich mehr natürliche Helfer an, und der Garten wird zunehmend stabiler. Planen Sie also nicht nur Terrasse und Beete, sondern auch die Gesundheit Ihres Gartens von Anfang an mit.


Bildquelle Titelbild:

  • Andrey Abryutin/shutterstock.com

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