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Gemüse in der Wohnung anbauen: So gelingt das Indoor-Farming

von Marc Hettenberger
gemüse in der wohnung anbauen

Wer in der Stadt wohnt, wird es kennen. Ein eigener Garten ist ungefähr so wahrscheinlich wie ein Lottogewinn. Wohl dem, der einen Balkon sein eigen nennt. Aber selbst diese sind ziemlich rar. Was kann man also tun, wenn man keinerlei Freiluftfläche zur Verfügung hat, aber trotzdem unheimlich gerne eigenes Gemüse anbauen möchte? Das Bewusstsein für gesunde Ernährung wird immer größer. Viele verzichten auf Quantität zu Gunsten von Qualität und kaufen Biogemüse.

Ein Schritt weiter geht da sicherlich der eigene Gemüseanbau. Aber wie lässt sich das bewerkstelligen? Ganz einfach – den Garten in die Wohnung holen. Was zunächst seltsam klingt, ist eigentlich eine geniale Idee, selbst für Menschen, die eine Grünfläche zum Bewirtschaften hätten. Denn manches Gemüse wächst und gedeiht in den eigenen vier Wänden geradezu unter Idealbedingungen.

Gemüse in der Wohnung anbauen: Was muss gegeben sein?

Erstaunlich wenig! Die Töpfe sowie die Erde hast du entweder schon oder bekommst sie einfach in jedem Baumarkt. Eine weitere ganz wichtige Anforderung, die erfüllt werden muss, ist ein sonniges Plätzchen, denn Licht ist der Antrieb für deine Pflanzen. Als nächstes brauchst du Geduld. Auch wenn du innen den Vorteil hast, dass du sogar zwei oder drei Mal im Jahr ernten kannst, bis zur Ernte musst du dich einfach in Geduld üben.

Übersicht der möglichen Gemüsesorten

Natürlich eignet sich nicht jedes Gemüse für die Wohnungsaufzucht. Manche brauchen mehr Platz und Sonne als es die Zimmer hergeben. Andere brauchen eine ganz bestimmte Bodenart und entwickeln sehr tiefe Wurzeln. Diese Pflanzen gehören dann in den Garten oder gar aufs Feld. Die folgenden Sorten lassen sich aber ganz wunderbar drinnen züchten:

  • Kräuter, das habt ihr bestimmt alle schon ausprobiert. Ihr müsst euch dabei nicht auf Petersilie und Basilikum beschränken. Auch Thymian, Oregano, Schnittlauch, oder Kresse wachsen wunderbar auf der Fensterbank
  • Tomaten, da haben wir als Top-Tipp die Ampeltomaten. Die könnt ihr nämlich Fenster-platzsparend in einer Blumenampel züchten und die Früchte ranken sich nach unten
  • Zwiebeln, Lauch und Knoblauch
  • Zucchini und Gurken (hier müsst ihr allerdings sehr darauf achten, dass die Pflanzen genug Platz haben)
  • Chili
  • Karotten
  • Radieschen (hier braucht man auch nicht viel Geduld)
  • Kohlrabi (ähnlich wie die Zucchini, braucht diese Pflanze sehr viel Platz)
  • Erbsen und Bohnen
  • Salat, vor allem Feldsalat und Rucola
  • Ingwer
  • Paprika

Tipps und Tricks zum Gemüseanbau in der eignen Wohnung

Wir haben uns die vielversprechendsten Gemüsesorten ausgesucht und versorgen euch hier mit den besten Tipps, damit ihr euch bald erfolgreiche Indoor-Farmer nennen könnt. Für alle Gemüsesorten, die wir aufzählen, bekommst du die Samen im Baumarkt, im Gartencenter und manchmal sogar im Supermarkt. Einpflanzzeit und Erdempfehlungen stehen direkt auf dem Samenpäckchen drauf.

gemüseanbau wohnung

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Kräuter wie Kresse oder Sprossen

Kräuter, wie Kresse oder Sprossen lassen sich hervorragend aus Samen heranzüchten. Dafür braucht ihr noch nicht einmal Erde. In einem sogenannten Keimglas funktioniert der Anbau auch. Eine andere Alternative, die jeder bereits zu Hause hat, ist Watte. Die Samen einfach auf die angefeuchtete Watte streuen und warten. In wenigen Tagen schon könnt ihr die ersten Erfolge beobachten. Wer sich Richtung professionelle Zucht orientieren möchte, schafft sich ein Mini-Gewächshaus an. Diese gibt es auch im Baumarkt und ganz sicher im Gartencenter. Die Ausführungen sind ganz unterschiedlich – mehrstöckig, mit integriertem Licht, mit Türchen und Fenstern – die Handhabung ist immer dieselbe.

Einfach mit Wasser füllen, der Rest setzt sich von selbst in Gang. Selbst Salate und Kohlrabi wachsen in einem solchen Häuschen ganz prima. Die Fachkraft im Gartencenter berät euch gerne.

Tomaten

Tomaten könnt ihr, wie gesagt, wunderbar in Blumenampeln züchten, vor allem wenn ihr spezielle Ranksorten auswählt. Bei den ganz herkömmlichen Sorten solltet ihr darauf achten, dass eure Töpfe mindestens zehn Liter fassen, denn die roten Früchtchen brauchen Platz. Am besten steckt ihr auch hier zwei oder drei Stäbe in die Erde, damit die Pflanzen sich daran entlangschlängeln können. Diese Stäbe könnt ihr für zusätzlichen Halt auch ganz einfach mit einem Kabelbinder am oberen Ende fixieren. Selbst wenn ihr sehr erfolgreich gärtnert und sehr viele Früchte habt, hält so ein Konstrukt die Ernte gut aus. Tomaten gedeihen in der Wohnung ganz hervorragend, vorausgesetzt, man schenkt ihnen genug Licht.

Das Licht, sprich die Sonne ist nämlich wichtig für den Geschmack. Richtig vollmundig schmecken Tomaten nur, wenn sie von der Sonne verwöhnt wurden. Wer in Bio gut aufgepasst hat, wird sich fragen, wie man die Befruchtung der Blüten indoor einrichten kann. Was draußen die Bienen übernehmen, könnt ihr drinnen schaffen, indem ihr die Blüten einfach vorsichtig schüttelt. Das genügt für eine Befruchtung und ab März könnt ihr dann problemlos zwei Mal im Jahr züchten und ernten.

Zwiebeln, Lauch und Knoblauch

Zwiebeln, Lauch und Knoblauch müsst ihr künftig nicht mehr einkaufen. Streut einmal die Samen, pflegt die zarten Pflänzchen und freut euch dann über euren Ertrag. Diese Lauchgewächse wachsen nämlich wie Unkraut.

Zucchini und Gurken

Zucchini und Gurken brauchen, ähnlich wie die Tomaten, sehr viel Platz. Dabei wachsen sie aber weniger in die Höhe, sondern viel mehr in die Breite. Wem langsam der Platz auf der Fensterbank ausgeht, dem raten wir zu rechteckigen oder ovalen Blumentöpfen. Die sind nicht so voluminös, geben der Pflanze aber trotzdem genügend Platz. Außerdem müssen Zucchini und Gurken auch nicht die ganze Zeit direkt vor dem Fenster stehen. Wenn ihr einen anderen sonnigen Platz in eurer Wohnung findet, dann fühlen sie sich dort ebenso wohl.

Chili in der Wohnung anbauen

Chili ist nicht nur richtig nützlich, sondern sieht auch noch toll aus. Wenn die Früchte rauskommen, sieht es aus wie ein toller Blumenstrauß. Außerdem ist ein kleines Chilitöpfchen auch ein super Mitbringsel für Freunde, die gerne scharf essen. Für diese Pflanze ist es ganz wichtig, dass sie es immer schön hell und warm hat. In ihrem Heimatland fällt das Thermometer selten unter 20°C, deswegen mögen es die Chilis auch im Exil schön warm. Achtet darauf, dass die Erde nie austrocknet, die Chilis brauchen viel Feuchtigkeit. Für die absoluten Profizüchter unter euch gibt es jetzt auch noch den Profi-Tipp.

Chilis werden lieber mit Regenwasser statt mit Wasser aus dem Wasserhahn gegossen. Wir geben nur die Tipps, was ihr daraus macht, ist eure Sache.

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Karotten

Karotten zählen zu den Wurzelgemüsen und der Name ist Programm. Die Pflanze bildet lange Wurzeln, weswegen ein hoher Topf ein Muss ist. Es gibt allerdings auch sogenannte Mini-Karotten, die auch Mini-Wurzeln bilden und für die ein normaler Blumentopf genügt. Bei den herkömmlichen Sorten sollte dein Topf aber schon 30 cm hoch sein. Viel mehr Ansprüche haben die Möhrchen aber dann auch nicht mehr. Immer regelmäßig gießen, bisschen Licht, bisschen Wärme und schon können sich dein Hase und du auf leckere Knabbereien freuen.

Radieschen

Radieschen sind super pflegeleicht und besonders ertragreich. Dreimal im Jahr abernten ist überhaupt kein Problem. Außerdem verzeihen dir die Radieschen auch, wenn sie mal nicht ständig im Rampenlicht stehen. Wie alle Gemüsesorten lieben sie zwar auch die Sonne, sind aber so genügsam, dass sie auch im Halbschatten noch gedeihen.

Erbsen und Bohnen

Erbsen und Bohnen hingegen lieben den Platz am Fenster. Du brauchst dafür einen normalen Blumentopf mit Untersetzer und einen sonnenreichen Platz. Erbsen und Bohnen sind Rankgewächse, das heißt, sie schlängeln sich gerne an etwas entlang. Am besten spannst du Fäden über das Fenster. Befestigen kannst du die Fäden am Fensterrahmen, am einfachsten geht das mit einem Klebehaken. Diesen kannst du auch spurlos wieder ablösen, wenn du ihn nicht mehr brauchst. Wenn dir diese Idee nicht gefällt, weil du die Sicht aus dem Fenster nicht beinträchtigen möchtest (oder so gerne Fenster putzt, dass du da ständig gut drankommen musst), dann kannst du auch in gewohnter Weise Holzstäbe in die Blumentöpfe stecken.

Zwischen März und Oktober kannst du zwei bis drei Generationen von Erbsen und Bohnen aufzüchten und abernten. Es lohnt sich!

Salate

Am besten nimmst du flache Schalen mit ausreichend Durchmesser für den Salat. Die Samen sähst du direkt in die Schale, gönnst ihnen ab und an mal ein bisschen Wasser und spätestens sechs Wochen später kannst du ernten. Dein Vorteil gegenüber allen „richtigen“ Gärtnern ist, dass du keine Schneckenplage zu befürchten hast. Denn Schnecken sind der größte Feind des Salats, frag deine Großeltern.

Gemüse in der Wohnung anbauen: Unser Fazit

Läuft dir schon das Wasser im Munde zusammen und du träumst vom ersten Ratatouille, das komplett aus selbst angebautem Gemüse besteht? Na dann, ran an die Töpfe! Mit unseren Tipps und Tricks werden selbst diejenigen unter euch, die keinen grünen Daumen haben, große Erfolge ernten…im wahrsten Sinne des Wortes.

Bildquelle Titelbild:

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